|
Vortragsabend
zum Thema
Der Klimawandel
und seine
Konsequenzen für die Sicherheit
im
21. Jahrhundert
Referent:
Michael Hölscher
Oberst a.D.
am Dienstag, 20. April 2010, 19:00 Uhr
„Café Waldhof“, Magdalenenhäuser Weg 40 (oberhalb Tierheim)
*****
Sektionseigener Pressebericht
Klimawandel und
weltweite Sicherheit
Auf Einladung
der hiesigen GfW-Sektion sprach Oberst a.D. Michael Hölscher, Bonn,
vor fünfundzwanzig Zuhörern zum Thema „Klimawandel und seine
Konsequenzen für die Sicherheit im 21. Jahrhundert“. Basis seiner
Aussagen waren die Ergebnisse einer Langzeitstudie (bis 2030) im
Auftrag des Verteidigungsministeriums, an der er mitgewirkt hat und
die der Politik rechtzeitig tragfähige Grundlagen für weitreichende
strategische Entscheidungen bieten soll.

Oberst a.D. Michael Hölscher beim Vortrag
Eingangs betonte
der Referent, dass die Sicherheit von stabilen Systemen aus Staat,
Wirtschaft und Gesellschaft mit den Merkmalen Gewaltenteilung und
Rechtssicherheit gemeint sei und nicht militärisch angestrebte
Sicherheit. Und der von ihm schwerpunktmäßig behandelte Klimawandel
als Teil des Trendfelds Ressourcen- und Umweltentwicklung sei neben
den übrigen Trendfeldern Demographische,
Wissenschaftlich-technologische und Kulturelle Entwicklung mit ihren
Auswirkungen auf die Entwicklung von Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft der diversen Gemeinwesen zu betrachten gewesen.
Zu den zehn
Unterthemen der Trendanalyse zählten u.a. Islamische Welt,
Klimawandel, Energieentwicklung, Nutzung der Ozeane und des Weltraums,
Nano- und Bio-Technologie.
Als
Risikopotentiale des 21. Jahrhunderts nannte Hölscher Energie,
Ernährung, Seuchen und Klima-veränderung, als ihre Folgen u.a.
ungleiche Lebensbedingungen, Fundamentalismus, Staatszerfall und
Migrationsströme.
Der Anstieg der
Durchschnittstemperatur um 1-2 Grad C binnen dreißig Jahren hätte
Ernteeinbußen in einigen bevölkerungsreichen Regionen (bei Zuwächsen
in nördlicheren Regionen), abnehmende Trinkwasserverfügbarkeit und
Schädigung empfindlicher ökologischer Systeme wie Korallenriffe zur
Folge. Nahrungsmittel- wie Wassermangel, oft noch in Verbindung mit
extremen Wetterereignissen, könnten Gesellschaften destabilisieren,
Konflikte und Migrationsströme auslösen und Instabilitäten der
internationalen Systeme auslösen.

Der Vortrag stößt auf großes Interesse
Als konkrete
physikalische Folgen des Klimawandels nennt die Studie u.a.
Abschmelzen der Eiskappen, Anstieg des Meeresspiegels, Verlust von
Inseln und Küstenstreifen, Verlust landwirtschaftlicher Flächen sowie
Flutkatastrophen. Daraus folgen im sozio-ökonomischen Bereich u.a.
Unsicherheit für den Lebensunterhalt, soziale Spannungen,
Wasserknappheit, Gefahren für die Gesundheit, Anstieg von Armut,
Gewalt und Migration sowie Reduzierung von gesellschaftlicher und
zwischenstaatlicher Sicherheit.
Voraussichtlich
von Dürre betroffen sein werden primär die Mittelmeeranrainer, der
Nordwesten Brasiliens, der Westen Mexikos und Teile des südlichen
Afrika. Tropische Stürme werden vor allem bedrohen die Karibik, die
Südostküste Afrikas und Madagaskar, Teile des Indischen Ozeans mit
Anrainern. Ostchina und Japan sowie die nordwestlichen und
nordöstlichen Küsten Australiens. Extremniederschläge gefährden
zunehmend Nigeria mit westlichen Nachbarn, das Rote Meer mit dem Horn
von Afrika, Hinterindien und Sumatra sowie den Nordwesten Südamerikas.
Auf zunehmende
hydrologisch bedingte Trinkwasserknappheit müssen sich einstellen
Mexiko und angrenzende Teile der USA, der Nordrand Afrikas und die
arabische Halbinsel, große Teile Zentralasiens, Chinas und Indiens,
aber auch Teile Südostaustraliens und der Norden Südafrikas.

Aufmerksame Zuhörerschaft im Café Waldhof
Ökonomische
Wasserknappheit herrscht hingegen in der Masse der Länder Afrikas.
Dramatisch mutet
der Eisrückgang in der Arktis an. Die eisbedeckten Flächen im
September 2030 werden voraussichtlich nur noch ein Drittel derer vom
September 1990 ausmachen. Das hat allerdings Vorteile für den
Seeverkehr, reduzieren sich die Seewege Europa-Asien doch um 3-4.000
Seemeilen bei Nutzung der Nordwest- bzw. Nordostpassage.
Positiv werten
kann man auch die absehbare Erschließung von Permafrostflächen, die
gegenwärtig ca. 24 % der nördlichen Halbkugel ausmachen.
Aus der Summe
der Einzelprobleme erwachsen weltweit gravierende Migrationsprozesse,
für Europa insbesondere aus Nordafrika, aber auch aus etlichen Staaten
der ehemaligen Sowjetunion. Nach mittlerer Prognose wird das bis 2025
auf einen Anteil muslimischer Bevölkerung von 28 % in Europa
hinauslaufen.
Insgesamt sehen
die Studienverfasser als Folge des Klimawandels ein hohes Risiko für
bewaffnete Konflikte in 46 Staaten mit einer Gesamtbevölkerung von 2,7
Mrd. Menschen. Bedrückende Aussichten, auf die sich die Politik
einstellen sollte!
Gez.: Uwe-H. Pradel, Sektionsleiter, Tel.: 06441/ 28434
Hier geht's zum Veranstaltungsbericht der WNZ vom 24.04.2010 |