Nachschau - Veranstaltung am 27.03.2014

 

Vortragsabend

zum Thema

Afghanistan –

nach der Aufbau –  nun die Abzugsillusion?

Bilanz und Perspektive

Referent:

Foto: Jürgen Rann

Winfried Nachtwei

MdB a.D. und Verteidigungsexperte

von Bündnis 90 / Die Grünen, Münster

 am Donnerstag, 27. März 2014, 18.00 Uhr 

im Café Waldhof

Magdalenenhäuser Weg 40, Wetzlar

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Pressebericht

vom 03.04.2014

Wetzlar (hg). „Die Afghanistan-Müdigkeit in den in Afghanistan engagierten Ländern ist unübersehbar“. So hat Winfried Nachtwei aus Münster im Wetzlarer Café Waldhof das öffentliche Interesse für das Land am Hindukusch beschrieben. Doch bemühen sich seit nunmehr über 13 Jahren die Nato-Staaten um eine Stabilisierung der politischen Verhältnisse. Der langjährige Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und Angehörige des parlamentarischen Verteidigungsausschusses kam auf Einladung der hiesigen Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW). Sein Thema: „Afghanistan – nach dem Aufbau nun die Abzugsillusion?“

Gleichwohl sei, so Nachtwei, die Weltgemeinschaft darauf gespannt, was sich nach dem Abzug der Militärs zum Jahresende in Afghanistan tun werde. Nach dem Zusammenbruch des Talibanregimes hätten die Nato- Staaten eine Demokratisierung des Landes im Blick.

Nachtwei zu Gast in Wetzlar

Der militärische Einsatz habe nur der Flankendeckung von Entwicklungshilfe gedient, führte Nachtwei aus. Auf keinen Fall habe man sich als Besatzungsmacht verstanden. Allerdings sei man mit dieser Zielvorgabe gleich zu Anfang ins Hintertreffen geraten, weil die ganze Tragweite des Afghanistan- Einsatzes von den Regierungen unterschätzt worden sei. Die materielle und personelle Ausstattung der zivilen und militärischen Einsatzkräfte habe in den Anfangsjahren mitunter zu wünschen gelassen. Im Laufe der Jahre habe sich dann auch noch ein Kleinkrieg zwischen den Nato-Kräften und den verdeckt vor allem aus Pakistan heraus operierenden Taliban entwickelt. Dennoch hätten entwicklungspolitische Maßnahmen Früchte gezeitigt, hob Nachtwei hervor. So sei das Schulwesen mit 190 000 Lehrern inzwischen gut ausgestattet. Von den zehn Millionen schulpflichtigen Kindern besuchten zu einem Drittel Mädchen die Schulen. Die Kindersterblichkeit sei kraft einer Verbesserung der medizinischen Versorgung gesunken. Die Förderung der beruflichen Bildung sei vorangekommen.

Taliban oder Bürgerkrieg?

Wie sich Afghanistan nach dem Abzug der Nato-Militärs vorfinden werde, sei schwer auszumachen, urteilte Nachtwei nach 17 Besuchen dort. Mögliche Szenarien seien die erneute Machtergreifung der Taliban oder ein Bürgerkrieg. Zu beobachten sei, dass keins der Nachbarländer an einem Totalchaos in Afghanistan interessiert sei. Ein Bemühen um die Unterstützung eines Stabilisierungsprozesses sei aber bei ihnen auch nicht festzustellen. Abfinden möge er sich nicht mit dem Ergebnis, dass der bisherige Einsatz für Afghanistan „umsonst gewesen“ sei, meinte Nachtwei. Immerhin seien bisher 100 000 deutsche Soldaten und Zivilisten im Einsatz gewesen.

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