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Vortragsabend
zum Thema
Terroristische Gefahren für Deutschland
aus Sicht des BKA
Referent:

Prof. Dr. Jürgen Stock
Vizepräsident des
Bundeskriminalamtes, Wiesbaden
(Foto: BKA)
am Mittwoch,
12. Mai 2010, 19:00 Uhr
Kreishaus, Gr. Saal des
Kreistages, Karl-Kellner-Ring 51
*****
Sektionseigener
Pressebericht
Terrorismus-Gefahren
für Deutschland
Auf Einladung
der hiesigen GfW-Sektion sprach Prof. Dr. Jürgen Stock, Vizepräsident
des Bundeskriminalamtes, vor fünfzig Zuhörern im Kreistagssaal zum
Thema „Internationaler Terrorismus – Gefahren für Deutschland aus
Sicht des BKA“.
Einleitend
betonte der in Wetzlar geborene Referent, der internationale
Terrorismus stelle gegenwärtig und in naher Zukunft die größte
Herausforderung aller Sicherheitsbehörden weltweit dar.
Die
Bedrohung durch ihn sei vor dem Hintergrund sicherheitsrelevanter
Veränderungen seit Ende des Kalten Krieges zu sehen. Dazu zählten u.a.
Globalisierungsrisiken, illegale Migration und Integrationsprobleme,
Proliferation, Organisierte Kriminalität und Regionalkonflikte.
In einem kurzen
Rückblick erinnerte Stock mit den Stichworten Madrid und London an die
ersten islamistischen Anschläge in Europa. In Deutschland verhinderte
die rechtzeitige Festnahme der sog. Sauerlandgruppe vergleichbar
verheerendes Unheil.
Nötig sei als
Konsequenz der verhinderten Anschläge das Schritthalten der Polizei
mit dem technischen Fortschritt, den die Täter nutzen. Richtig sei
auch gewesen, nach dem 11. September 2001 die gesamte deutsche
Sicherheitsarchitektur auf den Prüfstand gestellt und Schwerpunkte bei
Prävention und Möglichkeiten der Früherkennung gesetzt zu haben. Der
Sauerland-Fall stehe für hervorragende Zusammenarbeit der Polizeien,
für erfolgreiche internationale Kooperation und vertrauensvolles
Zusammenwirken mit den Nachrichtendiensten.
Aktuell könne es
bei uns keine Entwarnung geben. Es habe bereits mindestens sieben
Fälle verhinderter oder gescheiterter Anschläge und 19 Strafverfahren
gegen Drahtzieher bzw. Unterstützer terroristischer Gruppen gegeben.
Derzeit liefen ca. 350 Ermittlungsverfahren.
Ziel der
Terroristen sei, Deutschland zu einem Wechsel seiner
Afghanistanpolitik zu nötigen. Drohbotschaften im Web seien dabei ein
starker Motivationsfaktor für eine Radikalisierung innerhalb der
islamistischen Szene.

Aufmerksame
Zuhörerschaft im Wetzlarer Kreistagssaal
(Zum Vergrößern: Bild anklicken)
Die
Sicherheitsbehörden hätten Informationen zu Personen mit
Deutschlandbezug, die in einem islamistisch-terroristischen
Ausbildungslager waren oder dort vermutet werden. Solche sogenannten
Gefährder stünden in Deutschland unter Beobachtung.
Herausragende
Besonderheit des internationalen Terrorismus sei die intensive Nutzung
moderner Informations- und Kommunikationstechnologie. Handys und
Laptops würden über W-LAN-Hotspots und Internet-Cafes betrieben,
Email-Accounts gemeinsam genutzt, Daten verschlüsselt und auf
Internet-Servern im Web gespeichert. Das Internet werde als
„Fernuniversität“ missbraucht, z.B. um Bauanleitungen für
unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen zu übermitteln, mit
denen größtmöglicher Personenschaden erzielt werden könne.
Aufgrund Ihres
Aussehens unauffällig agieren könnten die wenigen radikalisierten
deutschstämmigen Konvertiten wie zwei der drei in Oberschlehdorn
Festgenommenen aus der Sauerland-Gruppe.
Die Rekrutierung
späterer Täter verlaufe nicht einheitlich, der Prozess werde aber
begünstigt durch „ideologisches Experimentieren“, Kontakt zu
Hasspredigern, Sprach- und Koranstudien und entspr.
Auslandsaufenthalte. Der Aufenthalt in einem Ausbildungslager stelle
meistens die Endstufe des Radikalisierungsprozesses dar, die
Entwicklung vom Islamisten zum gewaltbereiten Jihadisten.
Bezüglich der
Bekämpfungsstrategie betonte der Referent die Vorrangigkeit der
Anschlagsverhinderung. Hierzu sei ein ganzheitlicher Ansatz in Form
einer Vernetzung der bestehenden Behörden in Bund und Ländern im
Rahmen der jeweiligen eigenen Kompetenzen nötig. Den Netzwerken des
Terrorismus sei ein Netzwerk an Informationen entgegenzusetzen.
Hier habe sich
das 2004 als Kooperationsforum gegründete Gemeinsame
Terrorismusabwehrzentrum Berlin vielfach bewährt. Damit sei die
Zusammenarbeit von BKA, Bundesamt für Verfassungsschutz,
Bundesnachrichtendienst, Kriminal- und Verfassungsschutzämtern der
Länder, Militärischem Abschirmdienst, Bundespolizei, Zollkriminalamt
und Bundesanwaltschaft auf eine neue Grundlage gestellt und der
Austausch von Informationen in Echtzeit zur Verhinderung von
Anschlägen und Verfolgung islamistischer terroristischer Straftäter
möglich.
Einen
Fortschritt stelle auch die seit 2007 bestehende Antiterrordatei dar,
in der die Daten von 4000 Personen gespeichert seien und auf die die
genannten Dienststellen differenzierte Zugriffsmöglichkeiten hätten,
um Trennungsgebot, Daten- und Quellenschutz Rechnung zu tragen.

Jung und Alt zeigen
großes Interesse an unserer Inneren Sicherheit
(Zum Vergrößern: Bild anklicken)
Schließlich sei
zur Verbesserung der Erkenntnislage zu extremistischen und
terroristischen Aktivitäten im Internet das Gemeinsame Internet
Zentrum eingerichtet worden, in dem die bislang auf fünf
Behörden verteilten Sprach- Wissens- und Technikkompetenzen
gebündelt seien. Hier würden seit Anfang 2007 einschlägige
Internetseiten in acht Sprachen beobachtet.
Schlussendlich
werde konsequent eine so genannte Vorverlagerungsstrategie verfolgt,
die auf Bekämpfung von Straftaten bereits in Herkunfts- u.
Transitländern abzielt. Zu den entsprechenden Aktivitäten zählten
Ausbildungshilfe für ausländische Polizeibehörden, ein fast weltweites
Netz von Verbindungsbeamten sowie die Betreuung u. Unterstützung
polizeilicher Kräfte vor Ort.
Auch eine
Klarstellung in eigener Sache lag dem Referenten am Herzen. Trotz der
2009 erfolgten Ergänzung des BKA-Gesetzes würden 95 % aller
Gefahrenabwehrfälle im Bereich des internationalen Terrorismus von den
Ländern wahrgenommen und nicht vom BKA in eigener Zuständigkeit, wie
in wenigen Ausnahmefällen möglich.
Angesichts der
Verschlüsselungs- und Anonymisierungsmöglichkeiten der modernen
Kommunikationswelt, die verfolgungsfreie Räume mit fatalen Folgen für
die Innere Sicherheit zur Folge hätten, warb Stock für die
Beseitigung der Ungleichzeitigkeit von Technik und Recht und für einen
fairen Dialog mit den Kritikern staatlicher Vorsorge zum Wohle des
Schutzes der Bürger.
Gez.: Uwe-H. Pradel, Sektionsleiter, Tel.: 06441/ 28434
Pressebericht
Wetzlarer Neue Zeitung
vom 25.05.2010

Vernetzen gegen den
Terror
Experte spricht in
Wetzlar über Gefahren für Deutschland
Wetzlar
(red). Zum Thema "Internationaler Terrorismus - Gefahren für
Deutschland aus Sicht des BKA" hat Professor Jürgen Stock,
Vizepräsident des Bundeskriminalamtes, vor fünfzig Zuhörern im
Kreistagssaal gesprochen. Eingeladen hatte die Gesellschaft für Wehr-
und Sicherheitspolitik, Sektion Wetzlar/Lahn-Dill.
Einleitend betonte der in
Wetzlar geborene Referent, der internationale Terrorismus stelle die
größte Herausforderung aller Sicherheitsbehörden weltweit dar. Die
Bedrohung durch ihn sei vor dem Hintergrund sicherheitsrelevanter
Veränderungen
seit
Ende des Kalten Krieges zu sehen. Dazu zählten unter anderem
Globalisierungsrisiken, illegale Migration und Integrationsprobleme
sowie die organisierte Kriminalität.
In einem kurzen Rückblick
erinnerte Stock mit den Stichworten Madrid und London an die ersten
islamistischen Anschläge in Europa. In Deutschland habe die
rechtzeitige Festnahme der so genannten Sauerlandgruppe vergleichbar
verheerendes Unheil verhindert. Nötig sei als Konsequenz der
verhinderten Anschläge das Schritthalten der Polizei mit dem
technischen Fortschritt, den die Täter nutzen. Richtig sei auch
gewesen, nach dem 11. September 2001 die deutsche
Sicherheitsarchitektur auf den Prüfstand gestellt und Schwerpunkte
bei Möglichkeiten der Früherkennung gesetzt zu haben.
In Deutschland keine
Entwarnung: Derzeit laufen 350 Verfahren.
Der Sauerland-Fall stehe für
erfolgreiche internationale Kooperation und vertrauensvolles
Zusammenwirken mit den Nachrichtendiensten. Aktuell könne es keine
Entwarnung geben. Es habe bereits mindestens sieben Fälle
verhinderter oder gescheiterter Anschläge und 19 Strafverfahren
gegen Drahtzieher oder Unterstützer terroristischer Gruppen gegeben.
Derzeit liefen zirka 350 Ermittlungsverfahren. Ziel der Terroristen
sei, Deutschland zu einem Wechsel seiner Afghanistanpolitik zu
nötigen.
Drohbotschaften im Web seien
dabei ein starker Motivationsfaktor für eine Radikalisierung
innerhalb der islamistischen Szene. Die Sicherheitsbehörden hätten
Informationen zu Personen mit Deutschlandbezug, die in einem
islamistisch-terroristischen Ausbildungslager waren oder dort
vermutet werden. Solche so genannte "Gefährder" stünden in
Deutschland unter Beobachtung.
Herausragende Besonderheit
des internationalen Terrorismus sei die intensive Nutzung moderner
Informations- und Kommunikationstechnologie. Handys und Laptops
würden über WLAN-Hotspots und Internet-Cafés betrieben,
Email-Accounts gemeinsam genutzt, Daten verschlüsselt und auf
Internet-Servern im Web gespeichert. Das Internet werde als
"Fernuniversität" missbraucht, zum Beispiel um Bauanleitungen für
unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen zu übermitteln.
Den Netzwerken des Terrorismus sei ein Netzwerk an Informationen
entgegenzusetzen, so Stock. Hier habe sich das 2004 als
Kooperationsforum gegründete Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum
Berlin bewährt. Damit sei die Zusammenarbeit von BKA, Bundesamt für
Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst, Kriminal- und
Verfassungsschutzämtern der Länder, Militärischem Abschirmdienst,
Bundespolizei, Zollkriminalamt und Bundesanwaltschaft auf eine neue
Grundlage gestellt worden. Einen Fortschritt stelle auch die seit
2007 bestehende Antiterrordatei dar, in der die Daten von 4000
Personen gespeichert seien. Schließlich sei im Internet das
"Gemeinsame Internet Zentrum" eingerichtet worden, in dem die
bislang auf fünf Behörden verteilten Sprach- Wissens- und
Technikkompetenzen gebündelt seien. Hier würden seit Anfang 2007
einschlägige Internetseiten in acht Sprachen beobachtet.
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