Vortragsabend
zum Thema
Der Reformprozess der Bundeswehr –
aktuelle Situation und
perspektivischer Ausblick
Referent:
Oberstleutnant i.G. Rüdiger Heinrich
Führungsstab der Streitkräfte, Berlin
Mit einem Grußwort von
Brigadegeneral a.D. Klaus Vollmer, Herborn
am Dienstag, 10. Januar 2012, 19.00 Uhr
im Café Waldhof,
Magdalenenhäuser Weg 40,
Wetzlar (300 m oberhalb des
Tierheims)
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Pressebericht

vom 13.01.2012
„Sie sind unverzichtbar“
Wehrexperte weist auf die Bedeutung der
Reservisten hin
Wetzlar (hg). Als einen, auch zukünftig
unverzichtbaren Teil der Sicherheitsvorsorge
Deutschlands“ hat Oberstleutnant im Generalstabsdienst Rüdiger
Heinrich im Wetzlarer „Café Waldhof“ die Reservistinnen und
Reservisten bezeichnet.
Der
Referent für militärische Grundlagen und Konzepte im Bundesministerium
der Verteidigung in Berlin sprach dort auf Einladung der Sektion
Wetzlar/Lahn-Dill in der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik
über die derzeitige Reform der Bundeswehr, für die die Aussetzung der
allgemeinen Wehrpflicht und die geplante Reduzierung der Truppen auf
185 000 Berufs- und Zeitsoldaten kennzeichnend sind.
Gefragt seien bei der zeitweiligen Einberufung
von Reservisten nicht allein deren militärische Fähigkeiten. Darüber
hinaus lege die „Bundeswehr in neuer Gestalt“ auch auf ihre
zivilberufliche Qualifikation Wert. „Damit können unsere Reservisten
zur Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Bundeswehr an neue
Herausforderungen entscheidend beitragen, sie sind unverzichtbar“,
beschrieb der Generalstäbler die Wertschätzung der Reserve. Zudem
übernähmen die Reservisten mit ihrem vorübergehenden Einsatz in der
stehenden Truppe „eine Scharnierfunktion zwischen Bundeswehr und
Gesellschaft“. Mit dieser personellen Verzahnung könne auch der Gefahr
begegnet werden, dass sich die Bundeswehr als Freiwilligenarmee zu
einer geschlossenen Gesellschaft entwickle.
In seiner Beurteilung der „wohl größten
Neuausrichtung“ der Bundeswehr in ihrer 55-jährigen Geschichte mit
bisher fünf zurückliegenden Reformen legte Heinrich Wert auf die
Feststellung, dass die deutschen Truppenverbände eine
„Parlamentsarmee“ darstellen, deren materielle und personelle
Ausstattung sowie deren Einsätze vom Bundestag festgelegt würden. So
beruhe auch die Umwandlung der Bundeswehr von einer Wehrpflichtigen-
in eine Freiwilligenarmee auf einer politischen Entscheidung.
Betroffen davon seien nicht nur die Truppenverbände mit ihren Stäben,
sondern ebenso das Verteidigungsministerium, in dem in Zukunft neben
den Militärs mehr Zivilisten als bisher tätig sein würden, berichtete
Heinrich.
Scharnier zwischen Bundeswehr und
Gesellschaft
Was die materielle Ausstattung der Truppe
angehe, sei es nach dem Ende des Kalten Krieges und seiner damit
einhergehenden Bedrohung nun nicht mehr nötig, Gerätschaften im
bisherigen Ausmaß vorzuhalten. Nunmehr habe sich ihre Beschaffung an
den Erfordernissen der Völkergemeinschaft zur Befriedung von
Konfliktregionen zu orientieren. Damit leiste die Bundeswehr ihren
Beitrag zur Konsolidierung der Staatsfinanzen.
Allerdings, betonte Heinrich, sei bei der
Übernahme von Verantwortung für Frieden
und Freiheit gegenseitiges Vertrauen unter den Nato-Partnern
unverzichtbar. So habe Deutschland die Zurückhaltung der
Bundesregierung bei der Sperrung des Luftraums über Libyen einen
großen Vertrauensverlust eingebracht. Ursache dafür sei nicht allein
der Verzicht auf Einsätze der deutschen Luftwaffe bei diesem
Unternehmen gewesen. Viel eher habe die nicht erkennbare Bereitschaft
seitens Deutschlands zu einer vorherigen Abstimmung mit den anderen
Nato-Partnern dazu geführt. Anerkennung zollte der Referent
Verteidigungsminister Thomas de Maizière, als er über die Reduzierung
der Bundeswehrstandorte sprach. Seiner umsichtigen Vorgehensweise sei
es zu verdanken, dass deren Festlegung unter den Betroffenen
weithin einvernehmlich verlaufen sei und dabei zugleich
sozialverträgliche Maßnahmen ins Auge gefasst worden seien.
Eröffnet worden war der erste Vortragsabend der
hiesigen Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik im neuen Jahr
durch den Brigadegeneral a. D. Klaus Vollmer (Herborn) mit einem Dank
an Oberstleutnant a. D. Hartmut Großkreuz (Katzenfurt) für dessen
niveauvolle Gestaltung der Vortragsabende im zurückliegenden Jahr.