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Vortragsabend
zum Thema
Das unheimliche, zerstörerische Wirken
der STASI bis heute!
Referent:
Dr. H.-J. Grasemann
Oberstaatsanwalt, Braunschweig
am Mittwoch, 06. April
2011, 19.00 Uhr
im Café Waldhof, Magdalenenhäuser Weg 40, Wetzlar
*****
Pressebericht

vom 14.04.2011
Wo "Honni"
selbst die Feder führte
Vortrag beleuchtet die Stasi
Wetzlar (hg).
Die Machenschaften des
DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) sind noch einmal
lebendig geworden, als Hans-Jürgen Grasemann aus Braunschweig im Café
Waldhof in Wetzlar über deren Einwirken auf das
öffentliche und private Leben der Menschen in Mitteldeutschland
sprach.
Grasemann
ist langjähriger stellvertretender Leiter der Zentralen
Erfassungsstelle für DDR-Unrecht in Salzgitter. Eingeladen zu dem
Vortrag über "Das unheimliche und zerstörerische Wirken der Stasi bis
heute" hatte die hiesige Sektion der Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik mit dem Vorsitzenden Oberstleutnant a.D. Hartmut
Großkreuz.
Die Nachwirkungen der
Stasi-Herrschaft in der DDR beschrieb Grasemann mit Worten des
Leipziger Schriftstellers Ernst Loest, der seinerzeit wegen
angeblicher subversiver Tätigkeit gegen die DDR zu sieben Jahren
Zuchthaus verurteilt worden war: "Zeitgeschichte, das ist Geschichte,
die noch qualmt." Mit diesem Zitat verband Grasemann die Frage nach
dem Verbleib von 91.000 hauptamtlichen Stasi-Mitarbeitern und deren
zuletzt 173.000 informellen Mitarbeitern nach dem Zusammenbruch des
DDR-Regimes 1989. Damit stehe auch die Frage im Raum, wo sich heute
noch Nachwirkungen eines durchorganisierten Bespitzelungssystems
zeigen.
Grasemann bezeichnete den
DDR-Staat aufgrund seiner bei der Zentralen Erfassungsstelle
gewonnenen Erkenntnisse als einen Unrechtsstaat, dessen Richtlinien
von der herrschenden SED bestimmt worden seien. Für politische
Gerichtsverfahren sei das Drehbuch bereits vor dem Prozessausgang von
der Stasi geschrieben und den Richtern zur Beachtung vorgelegt worden.
Selbst Verhandlungsdauer und Strafmaß seien mitunter vorgeschrieben
worden. Teilweise wiesen diese Unterlagen auch handschriftliche
Eintragungen der amtierenden Parteichefs und Staatsratsvorsitzenden
Walter Ulbricht und Erich Honecker aus, berichtete Grasemann vor 40
Zuhörern.
Um den Erfolg von
Bespitzelungen sicherzustellen, habe die Stasi Verwandte, Freunde und
Kollegen angeworben. Die Verhörmethoden, wie sie etwa im
Stasi-Zentralgefängnis BerIin-Hohenschönhausen praktiziert worden
seien, hätten sich an der sowjetischen KGB-Verhörpraxis orientiert.
Überwachung von Briefen,
Paketen und Telefonen
dient nur dem Machterhalt
10 000 Telefonanschlüsse in
der DDR seien täglich gleichzeitig von der Stasi abgehört und rund 30
000 Apparate in Westdeutschland ständig überwacht worden. Auch die mit
technischer Präzision betriebene Brief- und Paketüberwachung der Stasi
als "Schwert und Schild der Partei" habe einzig der Machtsicherung der
SED gedient.
Nicht zuletzt habe "der lange
Arm der Stasi" bis in die Bundesrepublik gereicht. 560 Entführungen
aus Westdeutschland und Westberlin seien in den Unterlagen
dokumentiert, berichtete Grasemann. Überhaupt seien fast alle
operativen Vorgänge der Stasi selbst "mit deutscher Gründlichkeit"
sorgfältig registriert worden. Für Grasemann gelten sie als
Urkundsbeweise für das in der DDR geschehene Unrecht.
Deshalb dürften die Stasi-Akten nicht geschlossen werden, zumal
ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit neuerdings
ihre Arbeitsweise öffentlich als rechtsstaatlich zu legitimieren
versuchten und ihre Opfer dabei in Vergessenheit gerieten.
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