• 06. - 09. Oktober 2014
    Fulda
    Jahresfahrt 2014
    nach Colditz, Königsbrück,Dresden,
    Prag und Leitmeritz
  • Fr, 26. September 2014
    Kaiserslautern
    Besichtigung
    des Großkraftwerks Mannheim
    Block 8
  • Do, 11. September 2014
    Frankfurt/M. - Gießen - Marburg
    24. Busecker Forum
    "Zu den Mythen deutscher Sicherheits-
    politik im Lichte der aktuellen Krisen"
  • Di, 09. September 2014
    Koblenz
    Vortrag und Diskussion
    "Die Türkei nach der Neuwahl
    des Präsidenten"
  • 04.September 2014
    Fulda
    Vortrag und Diskussion
    "Ein neues Kalifat:
    Wie gefährlich ist ISIS?"
  • Sa, 23. August 2014
    Bad Neuenahr - Ahrweiler
    17. Atlantischer Sommer "Die Außen-
    und Sicherheitspolitik der USA und die
    Zukunft des Nordatlant. Bündnisses"
Nachschau - Veranstaltung am 14.02.2012


 

Öffentlicher Vortragsabend

zum Thema

Die besonderen Interessen

der Bundesrepublik Deutschland in der afghanisch-zentralasiatischen Region –

Was wurde durch den Einsatz der Bundeswehr, anderer staatlicher Institutionen und ziviler Hilfsorganisationen aus Deutschland erreicht?

Referent:

Foto: Jürgen Rann

Winfried Nachtwei

ehem. MdB Bündnis 90/ Die Grünen, Verteidigungsexperte, Münster

am Dienstag, 14. Februar 2012, 19.30 Uhr

im Burgwald-Kasino

*****

Eigenbericht

Afghanistan ist auf dem richtigen Weg

v.l.: Sektionsleiter Dipl.- Pol. Elmar Henschen, Referent Winfried Nachtwei,

1. Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf. Foto: Manfred Weider

FRANKENBERG. Am Nachmittag vor 250 Oberschülern und am Abend vor einem voll besetzten Saal referierte auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V., Sektion Waldeck-Frankenberg (GfW) Winfried Nachtwei zum Thema „Die besonderen Interessen der Bundesrepublik Deutschland in der afghanisch-zentralasiatischen Region – Was wurde durch den Einsatz der Bundeswehr, anderer staatlicher Institutionen und ziviler Hilfsorganisationen aus Deutschland erreicht?“

Nach der Begrüßung durch Sektionsleiter Dipl.- Pol. Elmar Henschen richtet 1. Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf ein Grußwort an das Publikum. Er verwies auf die  unsicheren Gebiete dieser Erde und die Gefahr, die von dort ausgeht. Weiterhin hob er die wichtige Informationsarbeit der GfW hervor, die wesentlich dazu beiträgt, den Zuhörern Hilfestellung in der Bewertung der Medienberichte in der Sicherheitspolitik zu geben.

Es folgte die Vorstellung des Referenten: Jahrgang 1946, Wehrdienst, Leutnant der Reserve, Studium der Geschichte und Sozialwissenschaften in Münster und München, Lehrer am Gymnasium Dülmen, Gründungsmitglied der Münsteraner Grünen, aktiv in der Friedensbewegung der 80er und 90er Jahre; Gründungsmitglied des Bundes für Soziale Verteidigung und des Forum Ziviler Friedensdienst; Forschungen zu Judendeportationen nach Riga, Engagement für Holocaust-Überlebende im Baltikum; 1994-2009    Mitglied des Bundestages (Verteidigungsausschuss, Unterausschuss Abrüstung, NATO-Parlamentarierversammlung), 2002-2009 sicherheits- und abrüstungspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, 2002-2005 stellvertretender Fraktionsvorsitzender, Mitglied im Beirat „Zivile Krisenprävention“ der Bundesregierung (seit 2011 Ko-Vorsitzender), Beirat „Innere Führung“ des Verteidigungsministeriums, im Vorstand der Dt. Gesellschaft für die Vereinten Nationen und des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie", Dez. 2010   Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, ca. 40 Reisen in die Einsatzgebiete der Bundeswehr, davon 16 nach Afghanistan, umfassende Reiseberichte; seit dem freiwilligen Ausscheiden aus dem Bundestag intensive Vortragstätigkeit; jüngste Veröffentlichungen zur Bundeswehrreform, zum „Fortschrittsbericht Afghanistan“ der Bundesregierung und Zwischenbilanzen des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr Friedensgutachten 2010, Jahresschrift 2011 des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr), zu Stand und Perspektiven der zivilen Krisenprävention.

Nachmittagsvortrag vor 250 Schülern der Edertalschule

Nachtwei war an allen Beschlussfassungen zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr beteiligt. Von Beginn an war es ihm wichtig durch Reisen in die Einsatzgebiete, sich von den Geschehnissen vor Ort ein Bild zu machen, sich mit den Soldaten, Sicherheitskräften und Menschen vor Ort zu unterhalten. Nur so kann ich bewerten, wie die Beschlüsse umgesetzt werden und welcher Erfolg oder Misserfolg erzielt wurde, sagte Nachtwei.

Die Sicherheitspolitik beschreibt er als ein Gebiet auf dem die Bevölkerung wenig Kenntnisse hat, es aber viele Meinungen gibt und davon viele „fundierte“ Meinungen. Hier schließt er auch die Politiker ein.

Sein Rückblick begann mit dem 11. September 2001. Die Entscheidung den USA beizustehen hält Nachtwei auch heute noch für richtig. Nach dem was Deutschland nach dem 2. Weltkrieg den USA zu verdanken hat, wäre ein einfaches Beileidtelegramm in keiner Weise angemessen. Es galt den Vereinigten Staaten in uneingeschränkter Solidarität beizustehen. Die damals eingeschlagene Strategie, die Terroristen zu finden und unschädlich zu machen, war richtig. Es fehlte aber der strategische Ansatz, was muss langfristig geschehen, um den Terrorismus klein zu halten, möglichst zu verhindern.

So wurde unter anderem in Afghanistan mit zu geringen Kräften operiert. Die 2003 eingeschlagene Strategie des „Peace keeping“ zeigte erste Erfolge. Dies vor allem, weil die Devise verwirklicht wurde, ja nicht als Besatzer aufzutreten.

Es folgte der Aufbau und Einsatz  der „Provincial Reconstruction Teams“ (PRT), regionale Wiederaufbauteams. Militär wurde eingesetzt, um die Sicherheit zu geben, herzustellen, damit wirtschaftliche Strukturen , die Infrastruktur wieder aufgebaut werden können. Erstmalig im Zusammenwirken ziviler und militärischer Kräfte.

Als Erfolge des Aufbaus Afghanistans nannte Nachtwei u.a. die Lehrerausbildung. 2002 gab es 20.000, heute 70.000 Lehrer. Es wurden Schulen gebaut. Mädchen können die Schulen besuchen. Zugang zum Basisgesundheitswesen haben heute 82% der Bevölkerung, 2003 waren es neun Prozent. Die Polizeiausbildung zeigt gute Erfolge.

Als wesentliche Voraussetzung des Erfolges nannte er die gute Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Kein Überstülpen unsere Werte und unseres Systems, sondern mit den Menschen vor Ort das Machbare suchen und verwirklichen.

In seinem Ausblick ging er auf verschieden Szenarien ein.

Ein sofortiger Abzug der Sicherheitskräfte würde eine Stärkung der Taliban bedeuten. Diese sind aber nicht mehr so mächtig wie früher und es würde ein Bürgerkrieg ausbrechen. Ein „Rausschleichen“ hätte dieselben Folgen.

Die afghanischen Sicherheitskräfte müssen weiter gestärkt, die Korruption bekämpft, die Zivilverwaltung aufgebaut werden. Regionale Förderung muss fortgesetzt werden.

Eine Garantie, dass auch 2014 nach Beginn des Abzugs der Kampftruppen das Land nicht sich selbst überlassen wird, ist zwingend. Es muss mit den Gegnern, den Taliban, gesprochen werden.

Deutschland ist eingebunden in ein internationales Sicherheitsinteresse und hat Verantwortung für die Menschen in Afghanistan, die seit 30 Jahren Krieg erleben und muss in der internationalen Unterstützung seinen Teil leisten, den Frieden auf dieser Welt zu fördern, schloss Nachtwei.

Die Diskussion zeigte, dass sowohl am Nachmittag bei den Schülern, wie auch am Abend, großes Verlangen nach Informationen von einem Referenten besteht, der aus seinem eigenen Erleben und Erfahrungen vor Ort erzählte, informativ, facettenreich und glaubwürdig. (wd)

*****

Pressebericht

vom 16.02.2012

Afghanistan als Land der verpassten Chancen

Grünen-Politiker Winfried Nachtwei spricht in der Burgwald-Kaserne über den Einsatz am Hindukusch und übt Kritik

Kommandeur Elmar Henschen begrüßte den Grünen-Politiker Winfried Nachtwei

im Burgwald-Kasino. Foto: Malte Glotz

Was machen deutsche Soldaten fern der Heimat und warum machen sie das? Was sind die Interessen Deutschlands in Zentralasien und was passiert nach dem Abzug 2014? Winfried Nachtwei versuchte, diese Fragen zu beantworten.

Von Malte Glotz

Frankenberg. Mit Winfried Nachtwei hatte die Gesellschaft für Wehr und Sicherheitspolitik einen echten Afghanistan-Experten in das Kasino der Burgwald-Kaserne geladen. Der Grünen-Politiker, der von 1994 bis 2009 im Bundestag saß, war lange Zeit Mitglied des Verteidigungsausschusses und des Arbeitskreises „Internationale Politik und Menschenrechte“. Insgesamt 16-mal besuchte er das zentralasiatische Land seit Beginn des deutschen Einsatzes, erlebte „eine Phase des Aufschwungs bis 2007“, wie er sagte, und den darauf folgenden Weg in Scharmützel, Gefechte, Terrorangriffe und schließlich die Katastrophe bei Aliabad – den bekannten „Luftangriff von Kunduz“, bei dem mehr als 140 Menschen starben.

Nachtweis Vortrag stand unter dem Thema „Deutschlands Interessen in Afghanistan“, doch der Politiker machte schnell klar, dass es diese eigentlich nicht gebe: „Das einzige Interesse zu Beginn des Krieges war die Bündnissolidarität“, erklärte er. Es wäre den USA kaum zu vermitteln gewesen, nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht mit ihnen in den Krieg zu ziehen. Hinzugekommen sei die Sorge um den internationalen Terrorismus.

Nachtwei zeichnete im Folgenden den deutschen Einsatz nach und wies auf Fehler in der Einsatzstruktur hin, die seinen Erläuterungen zufolge weniger beim Militär als bei der Politik liegen. Die militärisch-zivilen Wiederaufbauteams seien einseitig aus Mitgliedern der Bundeswehr und das Entwicklungshilfeministeriums zusammengesetzt. Die eigentlich gleichwertig einbezogenen Ministerien für Inneres und Äußeres hätten einen kaum messbaren Anteil. Weitere Kritik gab es von dem Grünen-Politiker an der Polizeiausbildung, insbesondere aber an deren Koordination im ganzen Land. Sie sei unzureichend – und ausgerechnet Deutschland sei für die internationale Koordination zuständig gewesen.

Winfried Nachtwei zeichnete ein Bild von einem Land, das nach den ersten Angriffen der westlichen Koalition von Taliban weitgehend befreit und sicher war, in das aber nach und nach feindlich gesinnte Kämpfer wieder einsickerten, besonders aus Pakistan.

Die frühe Hoffnung, dass ein sicheres, ein „strahlendes Kabul“ im ganzen Land für Aufbruchstimmung sorge, sei schnell dahin gewesen. Mit der Ausbreitung der ISAF-Truppen in das ganze Land hätten viele Probleme begonnen. Die friedliche Phase – Nachtwei zeigte Bilder von deutschen Soldaten ohne Helm, umringt von lachenden Kindern mitten auf einem Markt in Kunduz – sei spätestens 2007 vorbei gewesen. Bei einem Anschlag in der als sicher geltenden Stadt starben deutsche Soldaten. Die Bundeswehr begann sich einzuigeln, der Kontakt zur Bevölkerung nahm ab und die habe die Soldaten folglich anders, negativer wahrgenommen.

Seit dem Angriff auf die Tanklaster nahe Kunduz im Jahr 2009 allerdings habe sich wiederum einiges geändert. Die Strategie der „Counterinsurgency“, die die Amerikaner aus dem Irak mitbrachten, mache sich bezahlt, sagte Nachtwei. Sie beinhaltet eine Fokussierung auf die Bevölkerung und ihre Belange und zugleich ein hartes Vorgehen gegen Aufständische und feindliche Kämpfer.

Die Lage im Land verbessere sich, es gebe mehr Schüler und besonders wichtig: mehr Schülerinnen. Die Alphabetisierung steige, die Landwirtschaft komme voran, China investiere in den Rohstoffabbau, die Zahl der Anschläge sinke. Besonders er-folgreich beim Aufbau und im Befrieden seien im Übrigen die Niederländer gewesen, merkte Nachtwei an.

Dass sich nicht nur die Bundeswehr, sondern auch die Amerikaner und die anderen Nationen 2014 aus dem Land zurückziehen möchten, sah er zumindest kritisch. Er bewertete das Risiko als hoch, dass nach dem Abzug die Taliban den Süden und Osten des Landes sofort übernehmen und im Westen und Norden – dem Gebiet, das derzeit Großbritannien und Deutschland untersteht – ein Bürgerkrieg ausbricht. Das würde eine Destabilisierung der ganzen Region nach sich ziehen, die Atommacht Pakistan mittendrin, erläuterte der Afghanistan-Experte.

Kommandeur Elmar Henschen fasste Nachtweis Vortrag am Schluss nüchtern analysierend zusammen: „Wir haben die Initiative nicht genutzt, dann verloren und sie uns unter Verlusten mühsam zurückerkämpft. Und jetzt, wo wir sie wieder haben, wollen wir raus.“

 

Infos:   Manfred Weider, Rosenweg 43, 35066 Frankenberg (Eder)

            Tel: 06451 - 8814, Fax: 06451 - 230357, eMail: m.weider@t-online.de

Oben                                                                                                                                                                   Zurück

Unsere Partner: