Die psychologische
Betreuung der Soldaten
vor, während und nach
einem Einsatz
Mit diesem Thema
wollte die Sektion Saar sich mit einem zumindest in Deutschland erst
in letzter Zeit mehr in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit
geratenen Problem im Zusammenhang mit den Auslandseinsätzen der
Bundeswehr, den psychischen
Belastungen der Soldaten im Einsatz und als deren Folge den
Post-Traumatischen -Belastungs-Störungen (PTBS),
befassen.

Dipl. Psych. Claudia
Stade bei ihrem Vortrag
Die Referentin zu
diesem Thema, Dipl. Psych. Claudia Stade, Truppenpsychologin der
Division Luftbewegliche Operation, gilt mit weit über 600
Einsatztagen, davon mehr als 80 % in Afghanistan, als die wohl
Erfahrenste auf diesem Gebiet. Entsprechend profund und praxisbezogen
waren Ihre Ausführungen.
Wie sich
insbesondere auch aus der dem sachkundigen Vortrag folgenden
Aussprache herauskristallisierte, ist dieses Phänomen im Grund
genommen nicht neu. Wir kennen es aus Berichten der Amerikaner nach
dem Vietnam – und auch nach dem Irak – Krieg, auch die Israelis haben
über dieses Erscheinungsbild, das teilweise auch erst lange Zeit nach
dem im Kriegseinsatz Erlebten in Erscheinung tritt, berichtet.
Im
Nachkriegsdeutschland wurde dieses Thema öffentlich tabuisiert,
dennoch können Augenzeugen noch heute von den Leiden und
Traumatisierungen von Kriegsveteranen auch noch lange Jahre nach
Kriegsende berichten.
Also im Grund
genommen nichts Neues – oder doch?
Ein wesentlicher Unterschied zum
„totalen“ 2. Weltkrieg besteht heute auch darin, dass die Soldaten
heute aus einem wohlgeordneten, friedlichen und auch
friedenssehnsüchtigen Umfeld herausgelöst und in einen fremden
Kulturkreis mit teilweise unvorstellbar widrigen Lebensbedingungen
versetzt werden, wo sie unter Gefahr für das eigene Leben ihren
Auftrag erfüllen und u.a. am Ort unmenschlicher Selbstmord-Attentate
deren Folgen mit den zerfetzten Körpern von Kindern und Frauen, aber
auch von Kameraden sehen und die Opfer versorgen und bergen müssen.
Erschwerend kommt für sie eine zunehmende Nicht-Akzeptanz durch
Familie und Freundeskreis zu Hause, die Öffentlichkeit, die Medien und
die Politiker.
Mittlerweile sind die Risiken und
Gefahren für Leib und Leben der insbesondere in Afghanistan
eingesetzten Soldaten auch einer breiteren Öffentlichkeit bewusst.
Dabei treten neue, insbesondere in Deutschland in der Ausprägung und
Intensität so bisher nicht wahrgenommene Symptome in das öffentliche
Blickfeld, die ein zumindest in Deutschland bisher nicht so
wahrgenommenes, neues Krankheitsbild bei Soldaten nach einem Einsatz
charakterisieren.
Kann man dann später wieder zu Hause
zur „Tagesordnung“ übergehen und das alles verdrängen?
Wie kann man so etwas verarbeiten?
Welche Möglichkeiten und Wege gibt es, diese Belastungen nicht zu
einer krankhaften Ausprägung werden zu lassen?
Zunächst ist herauszustellen, dass es
nach deutschem Führungsverständnis vornehmste Aufgabe und
Verantwortung aller Vorgesetzten ist, sich um das Wohl und Wehe der
Ihnen anvertrauten Soldaten ist. Zum einen entspringt das dem
Fürsorgegebot, zum anderen ist es essentielle Grundlage, um Einsatz-
und Durchhaltefähigkeit der Soldaten zu erreichen und damit einen
gestellten Auftrag erfüllen zu können.
Der Psychologische Dienst der
Bundeswehr, der mittlerweile über 200 Psychologen umfasst, hat
lediglich eine, wenn auch immens wichtige, beratende Funktion.
Im Detail wurde das Rahmenkonzept für
die psychologische Betreuung der Soldaten dargestellt- von der
Einsatzvorbereitung , hier die Konfrontation mit den zu erwartenden
Belastungen und Maßnahmen zur Stabilisierung des inneren
Gleichgewichts und zur Minimierung von Stressoren – über die
Einsatzdurchführung, hier das Erkennen akuter psychischer Belastungen
und Stressreaktionen, sowie Sofortnassnahmen zur Vermeidung
psychischer Folgeschäden – bis zur Einsatznachbereitung, hier die
Reintegration und das Erkennen und Behandeln psychischer Folgeschäden
wie z.B. PTBS.
Als Belastungsfaktoren im Einsatz
können auftreten:
- die völkerrechtliche und
verfassungsrechtliche Einbindung der Soldaten gegenüber einem
moralisch und rechtlich „grenzenlos“ operierenden, skrupellosen
Gegner,
- der fremde Kulturkreis,
- die kritische, bisweilen Einsatz
ablehnende Haltung von Medien und Öffentlichkeit in der Heimat,
- die Trennung von Familie und
Freundeskreis z.B. auch über Weihnachten,
- der Stress ständigen Bedrohtseins
durch eine diffuse Sicherheitslage, versteckte Gefahren und
regelmäßige Anschläge,
- Konfrontation mit Armut, Krankheit
und Verstümmelungen und Verbrennen missliebiger Personen,
- Konfrontation mit Gewalt Verwundung
und Tod,
- Ständige Einsatzbereitschaft und
praktisch keine Privatsphäre,
- Klimatische Verhältnisse (Staub,
Sandstürme),
- „Halbmast“-Syndrom – ständige
Halbmast-Beflaggung wegen hoher Zahl von Verlusten bei ISAF.
Wichtige Bewältigungsstrategien sind:
- Disziplin