Nachschau - Veranstaltung am 24.10.2013

 

 

Vortrags- und Diskussionsabend

zum Thema

Die kritische Lage im Kaukasus

nach dem Rückzug der ISAF-Truppen aus Afghanistan

Referent:

Dr. Aschot Manutscharjan

Publizist und Experte für internationale Sicherheitspolitik

am Donnerstag, 24. Oktober 2013, 19.30 Uhr

im Offizierheim neben der Graf-Werder-Kaserne

Wallerfanger Straße 33, Saarlouis

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Eigenbericht zur Veranstaltung

Zentralasien – eine Region zunehmender Bedeutung

Von Klaus Zeisig

Nach dem Vortrag über Zentralasien – der Referent Dr. Ashot Manutscharjan (2. v. l.) mit der wiedergewählten Sektionsleitung der Sektion Saar (v.l.) Oberst a.D. Klaus Zeisig (SL), SF a.D. Wolfgang Leiser (Org-Assistent)

und OTL a.D. Hans-Eduard Fentsch (stv SL)

Mit der Lage in Zentralasien und den möglichen Entwicklungen nach dem für 2014 geplanten Abzug der Masse der ISAF – Kampftruppen aus Afghanistan befasste sich der Referent des Vortragsabends. Dabei stand mit dem gebürtigen Armenier Dr. Ashot Manutscharjan, der seit Anfang der 1990 er Jahre als freier Journalist in Berlin lebt, ein ausgesprochener Kenner der Verhältnisse in der fraglichen Region zur Verfügung.

Die im Vortrag ins Auge gefasste Region „Zentralasien“ umfasst mit den Ländern Georgien – Armenien – Aserbeidschan – Turkmenistan – Usbekistan – Kasachstan – Kirgisien – Tadschikistan ehemalige Sowjetrepubliken, die  im Norden von Russland, im Osten von China eingerahmt werden und im Südwesten an den Iran und im Süden an Afghanistan grenzen. Dahinter sind mit den Atommächten Pakistan und Indien noch zwei wichtige „Player“ in diesem Szenario zu berücksichtigen.

Der Wandel in Afghanistan hin zu einer im Inneren friedlichen und wie auch immer gearteten demokratischen Gesellschaft, von der auch nach außen keine Gefahren ausgehen, wird noch die Lebensspanne  mehrerer Generationen benötigen. Das mag zwar für Viele im Westen unverständlich lange sein, dieser Zeitbedarf relativiert sich allerdings vor dem Hintergrund der Jahrhunderte dauernden Entwicklung des Westens hin zu friedensorientierten und demokratischen Gesellschaften.

In einem Resümee zum über 12 Jahre währenden NATO-Einsatz in Afghanistan kann man zu der Feststellung gelangen, nicht die Nato habe versagt, sondern die westliche Politik, die sich viel zu spät um den gesellschaftlichen, politischen und verwaltungsmäßigen Aufbau Afghanistan kümmerte , und versagt hat insbesondere und vor allen Anderen die afghanische Regierung, die es nicht verstanden hat, die unterschiedlichen Interessen zu harmonisieren und nachhaltige Grundlagen für einen friedlichen Gesellschaftsaufbau zu legen.

Die Anrainer-Staaten im Norden weisen ihrerseits noch Merkmale in Staat und Gesellschaft auf, die weit weg vom westlichen Demokratie-Verständnis sind. Die teilweise äußerst autoritären Regime haben es nicht verstanden, ihren Ländern Stabilität zu verleihen und ihren Bürgern eine ausgewogene Wohlstandsteilhabe zu ermöglichen. Kulturelle, wirtschaftliche und soziale Spannungen werden verstärkt durch ungelöste Gebietsstreitigkeiten zwischen einzelnen Staaten, die man droht, notfalls kriegerisch zu bereinigen. Hinzu kommt, dass die Grenzziehungen nach Ende der Kolonial- und Besatzungszeit, wie auch zur Zeit der Sowjetunion teilweise rigide quer durch traditionelle Stammesgebiete gezogen wurden, was nicht nur im Falle Afghanistan ein erhebliches Problem darstellt.

Die Region braucht noch erhebliche Zeit, bis die angesprochenen  Mängel beseitigt sind und ein friedliches Miteinander innen wie außen möglich wird.

In dieser Gemengelage fürchten die Potentaten nach Beendigung des bisherigen ISAF - Einsatzes der NATO einen „Export“ von Terrorismus, islamistischen Fundamentalismus, Proliferation, Drogenschmuggel, organisierter Kriminalität und illegaler Migration in den Norden.

Russland fürchtet angesichts der 25 Millionen Muslime im eigenen Herrschaftsbereich eine weitere Ausdehnung des Islam nach Norden und ist auf Ruhe an seiner Südflanke bedacht, wird sich aber auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Afghanistan-Erfahrungen nicht selbst direkt einmischen, sondern notfalls Stellvertreter- Kriege unterstützen.

China will sich den Zugang zu den Rohstoffquellen in der Region, wozu auch die vermuteten, aber noch nicht erschlossenen Ressourcen in Afghanistan gehören, sichern. Gleiches gilt für Indien und Pakistan.

Die künftige Rolle des Iran ist derzeit schwer einschätzbar. Wird ein zufriedenstellender Kompromiss in der iranischen Atomfrage mit dem Westen erzielt, könnte das zu der erhofften Aufhebung des dem Iran schwer zusetzenden Wirtschaftsembargos und einer Heranführung an den Westen führen.

Die USA letztlich werden angesichts der sich abzeichnenden Schwerpunktverlagerung in den Pazifik und ihrer finanziellen Problem ihr Engagement in der Region nur soweit aufrechterhalten, wie es als Gegengewicht zu China und Russland notwendig erscheint.

Was kommt in dieser Region auf Europa zu?

Zweifelsohne hat Europa und insbesondere auch Deutschland aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke hier einen guten Ruf und wird auch als gewünschter Partner gesehen. Will man aber in Konkurrenz zu den übrigen großen Player in der Region bestehen, bedarf es zweifelsohne deutlich mehr an Geschlossenheit im außen- und sicherheitspolitischen, sowie im wirtschaftlichen Auftreten. Aber hier liegt natürlich auch eine Chance, mit dem eigenen Gewicht eine positive Entwicklung in der Region zu beeinflussen.

In jedem Fall wird die weitere Entwicklung in der Region die Welt und Europa auf noch nicht absehbare Zeit beschäftigen.

 

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