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Vortragsabend
zum Thema
Sicherheitspolitische und
strategische Folgen
der globalen
Finanz- und Wirtschaftskrise
Referent:
Professor Dr.
Günther Schmid
am
Mittwoch, 09. Juni 2010, 19.30 Uhr
im
Offizierheim neben der Graf-Werder-Kaserne,
Wallerfanger
Str. 33, Saarlouis
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Sektionseigener Pressebericht
Weltwirtschafts- und Finanzkrisekrise –
die
politischen Implikationen als Thema der letzten Veranstaltung der
GfW-Sektion Saar im ersten Halbjahr 2010
Prof. Dr.
Günther Schmid von der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung des
Bundes (München/Berlin) warf in der Juni-Veranstaltung der Sektion
Saar in der GfW die Frage nach den politischen Implikationen der
aktuellen Weltwirtschafts- und Finanzkrise auf. Einleitend machte er
in seinen Ausführungen einen erheblichen Mangel an einer eingehenden
Diskussion der eminent politischen Folgen der Weltwirtschafts- und
Finanzkrise der Jahre 2007 ff. aus. Die einseitige Ökonomisierung der
Krise habe völlig außer Acht gelassen, dass sie schwerwiegende
mittel- bis langfristige Verwerfungen des weltpolitischen Machtgefüges
verursache bzw. vertiefe. Prof. Schmid: „Wir stehen vor einer neuen
Vermessung der politischen Macht in der Welt.“

vlnr.
Sektionsleiter Oberst a.D. Klaus Zeisig, Referent Professor Dr.
Günther Schmid
Von diesem
Befund aus diagnostizierte der Politikwissenschaftler ein Ende der
sog. „pax americana“ mit einem relativen Machtverlust der Vereinigten
Staaten von Amerika. Die Position der einzig verbliebenen Supermacht
bleibe eine Position auf Zeit. Trotz des in der veröffentlichten
Meinung erzeugten Bildes einer Volksrepublik China mit
Supermachtperspektiven und –ambitionen werde es nicht zu einer „pax
asiatica“ kommen. Der relative weltpolitische Machtzuwachs Chinas
werde den relativen Machtverlust der USA nicht kompensieren können.
In das zu
konstatierende (sich relativ gering verändernde) Machtvakuum
wird der immer größer werdende Einfluss der sog. BRIC-Staaten stoßen.
Mit der Bezeichnung BRIC-Staaten werden Brasilien, Russland, Indien
und die VR China zusammengefasst, also sog. „Schwellenländer“
(„emerging countries“), die an der „Schwelle“ zum Weltmachtstatus
stehen. In diesen Staaten sind die wirtschaftlichen Wachstumsraten am
höchsten. Sie erzielen wachsende Anteile am weltweiten
Wirtschaftsaustausch. Sie verfügen über große Rohstoffreserven
(Russland) und über ein schier unerschöpfliches Potential an „human
ressources“. Die reale Folge dieser Entwicklung ist der zunehmende
diplomatische Einfluss dieser Staaten, ihr zunehmender Einfluss auf
weltpolitisch wichtige Entscheidungen z. B. in Gremien und
Unterorganisationen der UNO, in der WTO etc.
Klarer
Ausdruck dieser i. e. S. politischen Einflussnahme auf die Weltpolitik
aufgrund weltwirtschaftlicher Akzentverschiebungen ist das Entstehen
der G-20-Staaten, die als informelle inter-gouvernementale Institution
(Steuerungsplattform) die G-7- bzw. G-8-Staaten zwar nicht völlig
abgelöst haben, ihren Einfluss im Verlauf der aktuellen
Weltwirtschafts- und Finanzkrise aber sichtbar vergrößert haben. Sie
repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. Die wirtschaftlichen
und politischen Gewichte innerhalb der G-20-Staaten haben sich in den
letzten zehn Jahren zugunsten der BRIC-Staaten verschoben.
Öl-exportierende Staaten, wie z. B. Saudi-Arabien, haben einen
überragenden Einfluss auf die weltweiten Finanzströme.
Als
Zwischenbilanz resümiert Prof. Schmid: „ Es hat trotz der vielen
weltweiten Konferenzen keinen konstruktiven Ansatz zu einer neuen
globalen Ordnung gegeben.“ Die Meinungsverschiedenheiten sind zu
zahlreich, die Perzeptionen zu unterschiedlich. Es hat keine
Übereinkunft gegeben zur Kontrolle der Banken, kein Konsens zur
Finanzmarktkontrolle, kein Konzept zu ordnungspolitischen Strukturen.
Stattdessen sieht Prof. Schmid eindeutige Anzeichen zum
Protektionismus, Anzeichen für eine Re-Nationalisierung der
Wirtschaftspolitik. Von 300 neuen Handelsrestriktionen entfielen
allein 190 auf die G-20-Staaten. Prof. Schmid: „Der
Wirtschaftsnationalismus ist wieder da.“ Als Ursache für den
ausbleibenden Einigungswillen der Steuerungsplattform G-20-Staaten
sieht er unterschiedliche Sichtweisen auf die globale Situation. Hier
konkurrieren das europäische Integrationsmodell, die us-amerikanische
Sicht des wohlwollenden Hegemons und das autoritäre chinesische
Modell. Das europäische Integrationsmodell lässt sich nicht auf andere
Weltregionen übertragen, das us-amerikanische Modell wird von den
BRIC-Staaten abgelehnt und die chinesische Sichtweise eines
„autoritären Kapitalismus“ ist wenig anziehend auf demokratische
Strukturen.
Im Ergebnis,
so Prof. Schmid, werden wir in den nächsten Dekaden mit multilateralen
Strukturen rechnen müssen, mit einem Nebeneinander, Miteinander,
vielleicht auch Gegeneinander von G-7/G-8-Staaten, von G-20, BRIC,
ASEAN und/oder OPEC. Es gibt klare Tendenzen zur Rückkehr des
Nationalstaats. Die Globalisierung wird sich entschleunigen. Das
autoritäre chinesische Modell wird mit der freiheitlichen Variante
eines neuen Kapitalismus konkurrieren, wie er in Indien beobachtet
werden kann. Wenn es eine neue, eine asiatische Supermacht in den
nächsten 20, 30 Jahren geben wird, dann wird es Indien sein.
Text: Gerhard Malburg, Dolbergstr. 32, 54422 Neuhütten/Hunsrück, Tel:
0171/2644987
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