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Zum
25jährigen Bestehen der Fuldaer Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik referierte der frühere Beigeordnete Generalsekretär
der UN Eisele über „Globalisierung und Sicherheitspolitik“:
Gründerväter der Republik
dachten zukunftsorientiert
Fulda (mb).
Analytisch, differenzierend informativ und mitunter kritisch
betrachtete Generalmajor a. D. Manfred Eisele, früher zuständig für
die Planung und Unterstützung von UN-Friedensoperationen als
Beigeordneter des ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Anan, das Thema
des Abends: „Globalisierung und Sicherheitspolitik“. Eisele sprach als
Festredner zum 25jährigen Bestehen der Fuldaer Sektion der
Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW).
Kühnes
Ergebnis
Vor 60
Jahren habe wohl noch niemand auf der Welt von Globalisierung, schon
gar nicht im kriegszerstörten Deutschland, gesprochen. Als „kühnes
Ergebnis“ und „Beweis zukunftsorientierten globalen Denkens der
Gründungsväter“ bezeichnete Eisele die Entscheidung der
verfassungsgebenden Versammlung, dem deutschen Volk eine Verfassung zu
geben mit dem Ziel, „dem Frieden in der Welt zu dienen.“ Von
Sicherheitspolitik sei im Grundgesetz dagegen seinerzeit keine Rede
gewesen.
Kuschelig eingerichtet
Zeitsprung zum aktuellen Anlass. Als die GfW-Sektion vor 25 Jahren
gegründet wurde, sei die Welt „noch in Ordnung“ gewesen. Alle hätten
ihren Frieden gemacht mit der Spaltung der Welt „in zwei große Lager“
und sich „kuschelig eingerichtet in der Ost-West-Konfrontation“.
Reaktionär, ewig Gestriger sei nach Eiseles Worten genannt worden, wer
an die Wiedervereinigung glaubte. In dieser Phase des Gegenüberstehens
der Machtblöcke habe für die Amerikaner die Verteidigung des „Fulda
Gaps“ im Mittelpunkt gestanden. Den Dienst der amerikanischen
Soldaten aus Texas oder New York habe die deutsche Öffentlichkeit
dagegen kaum wahrgenommen, bedauerte der ehemalige hochrangige
Bundeswehroffizier.
Ernsteste Gefahr
Den global
agierenden Terrorismus bezeichnete Eisele als aktuell „ernsteste
Gefahr für die Sicherheit“. Dieser Bedrohung könne nur durch ein
abgestimmtes Instrumentarium und multinationales Handeln
begegnet
werden. Die Zusammenarbeit von EU, NATO und Vereinte Nationen
funktioniere bei den weltweiten Herausforderungen jedoch nur begrenzt.
Als Beispiel für das Dilemma führte Eisele die Krise im sudanesischen
Darfour an: 26.000 Blau-Helme stünden als Kontingent bereit. Doch nur
9.000 sind tatsächlich im Einsatz. Folge des dauerhaften
Ressourcenmangels 250.000 Kriegstote. Ironische Randbemerkung Eiseles:
Der Papst habe wenigstens seine Schweizer Garde. Kritisch äußerte er
sich auch zur deutschen Position. Deutschland habe „seine
sicherpolitischen Hausaufgaben nicht gemacht“. Bedauerliches Defizit
aus Sicht des ehemaligen UN-Mitarbeiters: Zu wenige Polizeikräfte
würden beispielsweise in den Auslandseinsatz entsandt. Eisele sprach
sich deshalb für „Entschiedenheit statt zaudern und zögern“ aus.
Zerbrechlicher Friede
Die
Kaukasuskrise habe erneut deutlich vor Augen geführt, wie zerbrechlich
der Frieden sein könne, betonte Fuldas OB und Schirmherr der
Jubiläumsfeier Gerhard Möller. Der Festvortrag Eiseles werfe viele
Fragen auf, die für das Zusammenleben der Völker von entscheidender
Bedeutung sein werden. Den Anlass nutzte Möller, um der GfW und ihrem
Sektionsleiter Michael Trost für ihre Arbeit zu danken, die „wichtig
war und ist.“ Das Gespräch über Sicherheitspolitik am Laufen zu
halten, sei Verdienst der Gesellschaft. Zum Epochenwandel, den die
GfW-Sektion Fulda seit der Wiedergründung erlebt habe, und zu den
aktuellen Herausforderungen spanne sich ein „Bogen, der spannender und
intensiver nicht sein könne“, wie Möller betonte.
Meinungsbildung fördern
Am 5.
Januar 1952 war die GfW in München als unabhängiger, überparteilicher
Verband gegründet worden, um den „Verteidigungswillen zu stärken und
zu fördern.“ Nach einem Jahr, so Trost in der Rückschau, waren bereits
70 Sektionen gegründet. Mittlerweile zählt die GfW 105 Einzelverbände.
1983 wurde Trost mit der „Aktivierung“ der Sektion Fulda beauftragt,
die ursprünglich 1979 mit der Arbeit begonnen, aber kurze Zeit später
wieder eingestellt hatte. Über 9.000 Teilnehmer an den verschiedenen
Veranstaltungen zählte der Verband seither mit Höhepunkten wie den
Vortragsabenden mit dem ehemaligen SED-Politbüromitglied Günther
Schabowski oder dem Historiker und Publizisten Wolfgang Leonhard. 101
Mitglieder gehören mittlerweile der Fuldaer Sektion an, die damit eine
der stärksten im Landesbereich IV. sei und die jüngste Altersstruktur
aufweise. Der GfW komme es darauf an, einen „kleinen Beitrag zur
Meinungsbildung zu leisten“, sagte Trost. Wenn dies gelungen sei,
„sind wir zu aufrichtigem Dank verpflichtet.“ OB Möller lobte das
Engagement Trosts, der den Beweis erbracht habe, die „Globalisierung
der deutschen Sicherheitspolitik mit wachem Geist und heißem Herzen zu
verfolgen.“ Aus dem „hervorragenden Referat“ Eiseles könnten die
Zuhörer viele Impulse mitnehmen.

GM a.D. Manfred
Eisele während seiner Festrede
im Marmorsaal des
Fuldaer Stadtschlosses

OB Gerhard Möller,
Schirmherr des Jubiläums, beim Anheften
der Ehrennadel für SL
Trost (zum Ehrenbrief des Landes Hessen)

OB Möller im angeregten
Gespräch
mit GM a.D. Eisele während
des Empfangs
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