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Sektion Fulda
Sektionsleiter
OTL d.R.
Michael W. Trost
Vor fast
30 Jahren am 07. November 1979, um 19.00 Uhr, schlägt die
Geburtsstunde der Sektion Fulda im Restaurant „Hauptwache“. Unter
Leitung von Brigadegeneral a.D. Heinz Meyer, damaliger
Landesbeauftragter der GfW für Hessen, Rheinland-Pfalz und das
Saarland, fand eine Erstbesprechung statt, in der man sich auf eine
neu zu gründende Sektion in Fulda einigte. Nach drei
Vortragsveranstaltungen und schwerer Erkrankung des Sektionsleiters,
FKpt d.R. Rudolf Hartmann, kommt jedoch die Arbeit der Sektion im Jahr
1981 zum Erliegen. Der Kontakt mit der Geschäftsstelle in München und
mit General Meyer wird jedoch von Polizeioberrat i. BGS Karl Ball als
sog. „Ansprechstelle“ aufrechterhalten. Gemeinsam mit dem damaligen
Kommandeur im Verteidigungskreis 441 in Fritzlar und dortigen
Sektionsleiter der GfW, OTL Werner Korty, gelang es ihm, den heutigen
Sektionsleiter für die Aktivierung der Sektion am 01. Juni 1983 zu
gewinnen. Mit nur fünf Mitgliedern der bisher ruhenden Sektion konnte
nun die Arbeit beginnen.
In welchem
Umfeld befand sich die junge Sektion?
Anfang der
80er Jahre hat es äußerst selten Vorträge zu sicherheitspolitischen
Themen gegeben. Wir waren praktisch die Einzigen, die in diese Lücke
im Informationsangebot, gewissermaßen in ein Nichts, hineinstießen,
und damit außerordentlich willkommen waren bei Interessierten in der
Region und selbstverständlich auch bei den Medien.
Fulda war
Garnisonsstadt für ca. 3000 Soldaten des 11. (US)
Panzeraufklärungsregiments und eine Abteilung des Bundesgrenzschutz.
Der nächste Bundeswehrstandort lag im ca. 35 km entfernten
Wildflecken. Besonders im Zonenrandgebiet in unmittelbarer Nähe zur
innerdeutschen Grenze im sog. Fulda-Gap hatten sich während der
Hochphase politischer Auseinandersetzung um den NATO-Doppelbeschluss
als Reaktion auf die Stationierung neuer sowjetischer
Mittelstreckenraketen vom Typ SS-20 auf dem Territorium Polens und der
DDR, viele aktive Anhänger der bundesweiten Friedensbewegung
organisiert. Diese Aktivisten versuchten mit der Forderung nach
gewaltfreiem Widerstand und mit bewusster Irreführung der Bevölkerung
zum Begriff „Air-Land-Battle“ besonders die Menschen in Osthessen mit
Slogans wie „Ami go home“ und „Manöver stoppen“ gegen die
Stationierung amerikanischer Streitkräfte u.a. auch mittels
Menschenketten vor der US-Kaserne in Fulda zu mobilisieren.
Es hätte
also kaum einen besseren Zeitpunkt für die Wiederbelebung der Sektion
geben können. In einer Atmosphäre, gewissermaßen von Verunsicherung,
stießen die sicherheitspolitischen Vorträge und Diskussionen bei den
Bürgerinnen und Bürgern auf ein hohes Interesse, was natürlich rasch
dazu beitrug, dass sich nicht nur ein vergleichsweise junger
4-köpfiger Vorstand zusammenfand, sondern auch die Mitgliederzahl von
anfangs 5 schnell auf 24 anstieg. Eine „schlagkräftige“ Sektion war
somit entstanden.
Unter den
zahlreichen Vortragsveranstaltungen in der Zeit des Kalten Kriegs in
der sich Nato und Warschauer Pakt eisig gegenüber standen, sind an
dieser Stelle zwei Vorträge beispielhaft für die Zeit der 80er Jahre
vor Gorbatschows „Perestroika“ und „Glasnost“ zu nennen: Der
ausgezeichnete Vortrag von Oberst Werner Gerkrath vom FüStab der
Streitkräfte im BMVg vor ca. 140 Gästen über „Die politischen und
strategischen Ziele der Sowjetunion“ und ein Vortrag von Paul D.
Molineaux, dem stellvertretenden US-Botschafter für die Bundesrepublik
Deutschland in Bonn über „Aspekte der Sicherheitspolitik der USA“ vor
ca. 200 Gästen.
Zwei
hochrangige Vertreter der Bonner Botschaft der UdSSR, mit Oberst i.G.
Jewgenij Prochin, stv. Verteidigungsattaché, an der Spitze,
demonstrierten Neues Denken in Fulda als sie im Februar 1989
ungewöhnlich offen Fragen zum Reformkurs Gorbatschows beantworteten.
Nach dem
Fall der Mauer am 09. November 1989 und der glücklichen Einheit
Deutschlands am 03. Oktober 1990 wurden neue Schwerpunkte für unsere
Arbeit gesetzt.
So
veranlassten uns die im Jahr 1991 vom Sowjetreich unabhängig
gewordenen Ostseestaaten im Baltikum, den Bevollmächtigten Vertreter
der Regierung Lettlands in Deutschland, Andrejs Urdze, den schwierigen
Neuanfang und erstaunlichen Optimismus seines Landes skizzieren zu
lassen.
Auch war
es immer ein Bestreben der Sektion Fulda, Zeitzeugen zu Wort kommen zu
lassen, um Geschichte lebendig zu machen.
Mit dem
ehemaligen SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski trafen wir voll
ins Schwarze. „10 Jahre Mauerfall – ein persönliches Fazit“ lautete
sein Thema. Die Fuldaer Zeitung stellte tags darauf die Frage: Ein
Paulus der deutschen Geschichte?
„Die
Geburt des Terrors aus dem Geist der Utopie“, darüber sprach Klaus
Rainer Röhl, prominenter „68er“, Ex-Ehemann der Terroristin Ulrike
Meinhof und Schriftsteller. Ihm war es gelungen, die Wandlung vom
Kommunisten zum Konservativen und Demokraten überzeugend darzulegen.
Auf
historische Spurensuche begab man sich auch zum 60. Jahrestag des
Kriegsendes im Mai 2005 mit dem Historiker und Ostexperten Prof.
Wolfgang Leonhard. In einer gemeinsamen Veranstaltung mit der
Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP) sowie des Verbands der
Reservisten, Kreisgruppe Fulda, schilderte er sehr persönlich und
bewegend unter dem Titel „Von Moskau zurück in die Heimat – Wolfgang
Leonhard und die Gruppe Ulbricht“ seine Erlebnisse im Moskau der
Sieger und im brennenden Berlin vom Mai 1945 bis zu seiner Abkehr vom
Kommunismus und seiner Flucht in das Jugoslawien Titos 1949.
Unter dem
Thema „Die Wehrmacht – eine verbrecherische Organisation?“ nahm der im
Bad Pyrmont lebende Jesuit Pater Lothar Groppe Stellung zur Rolle der
deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Anlass zu Vortrag und
vorherigem Empfang beim damaligen Oberbürgermeister der Stadt Fulda,
Dr. Wolfgang Hamberger, war die unsägliche, mit vielen Fehlern
behaftete Wehrmacht-Ausstellung, die von OB Hamberger mit den Worten
bedacht wurde: „Die Wahrheit liegt in der Mitte, die Wehrmacht
pauschal zu verurteilen, ist nicht richtig.“
Im Mai
2007 referierte die Islamwissenschaftlerin, Frau Prof. Dr. phil.
Christine Schirrmacher, in einer ersten Kooperationsveranstaltung mit
dem Bonifatiushaus in Fulda, zur „Beziehung des Islam zu Demokratie
und Menschenrechten“. Überflüssig zu sagen, dass diese Veranstaltung
mit ca. 140 Zuhörern im Haus der Weiterbildung der Diözese Fulda erst
nach einer wie erwartet kontroversen und emotional lebendigen
Diskussion zu Ende ging.
Der
international anerkannte Experte für Energiesicherheit Dr. Frank
Umbach von der renommierten Deutschen Gesellschaft für Auswärtige
Politik (DGAP) betonte die besondere Notwendigkeit enger, europäischer
Zusammenarbeit wenn es um die „Energiesicherheit im 21. Jahrhundert
und die Abhängigkeit Deutschlands heute und in Zukunft“ geht.
Einen
besonderen Stellenwert nahmen die jährlich durchgeführten
Informationsreisen und Truppenbesuche ein, an die sich viele
Teilnehmer u.a. auch wegen ihrer historischen Einmaligkeit gerne
erinnern. Beispielhaft sollen hier nur folgende vier genannt werden:
Der Besuch des sowjetischen EliteGardeMotSchtzRegt in Gotha am 08.
Juli 1991 wurde zum unvergesslichen Erlebnis, als wir zum ersten Mal
einen Blick hinter die Kulissen der Sowjetarmee werfen konnten.
Auch die
Teilnahme an der Zentralen Veranstaltung der Bundesrepublik
Deutschland zur Verabschiedung der Westgruppe der Russischen Truppen
in Berlin durch Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident Boris Jelzin
am 31. August 1994 war ebenso ein Highlight.
Das
gleiche gilt für die Übungsfahrt mit der Schnellboot-Flottille des
Marineabschnittkommando Ost in Rostock-Warnemünde im Oktober 1996 und
schließlich muss noch die hervorragend organisierte 4-tägige
Dresdenfahrt unseres stellvertretenden Sektionsleiters OTL a.D. Bernd
Fischer im Herbst 2006 erwähnt werden, bei der auch die Stadt Meißen,
das Flugmedizinische Institut der Luftwaffe in Königsbrück und das
Kennenlernen der Offizierschule des Heeres in Dresden-Albertstadt auf
dem Programm standen.

Reisegruppe vor der OSH Dresden-Albertstadt
Wenn wir
heute auf unsere nunmehr 26 Jahre sicherheitspolitischer
Öffentlichkeitsarbeit Rückschau halten, so darf das im vergangenen
Jahr im Stadtschloss gefeierte Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen der
Sektion Fulda mit OB Gerhard Möller als Schirmherr und dem Festredner
Generalmajor a.D. Manfred Eisele nicht fehlen. Früher als
Beigeordneter des ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Anan zuständig
für Planung und Unterstützung von UN-Friedensoperationen, betrachtete
Eisele das Thema des Abends: „Globalisierung und Sicherheitspolitik“.
Den global
agierenden Terrorismus bezeichnete Eisele als aktuell „ernsteste
Gefahr für die Sicherheit“. Dieser Bedrohung könne nur durch ein
abgestimmtes Instrumentarium und multinationales Handeln begegnet
werden. Die Zusammenarbeit von EU, NATO und Vereinte Nationen
funktioniere bei den weltweiten Herausforderungen jedoch nur begrenzt,
als Beispiel für das Dilemma stehe die Krise im sudanesischen Darfour.

Festredner GenMaj a.D. Manfred Eisele
Zusammenfassend sei erwähnt, dass wir uns als engagierte Bürger eines
demokratischen Gemeinwesens im Jahr 1983 das Ziel gesetzt haben, einen
Beitrag zur Meinungsbildung zu leisten um damit die Sicherung von
Frieden und Freiheit mitzugestalten. Dies ist mit einem hohen Maß an
Gestaltungsfreiheit gelungen und wir verdanken dies in erster Linie
der aktiven Mitarbeit der größtenteils langjährigen
Vorstandsmitglieder und dem vielfältigen Interesse der Mitglieder,
Gäste und regionalen Medien an sicherheitspolitischer Information in
dem für unsere Themen aufgeschlossenen Klima der Region Fulda. War es
früher der Ost-West Konflikt, so liegt heute der Fokus der
Sektionsarbeit auf den globalen Gefahren, Krisen und Risiken. An
erster Stelle sind jedoch die Terrorismusgefahr und regionale
Auseinandersetzungen und Kriege zu nennen, die den Einsatz der Nato
unter dem Schirm der UN nötig gemacht haben.
Mit einer
vergleichsweise relativ jungen Altersstruktur und einem Jahr für Jahr
stetigen Zuwachs an Mitgliedern auf mittlerweile 103 ist uns vor den
Herausforderungen der Zukunft nicht bange. Fulda wird auch weiterhin
eine feste Größe auf der bundesweiten Landkarte der GfW bleiben.
Was planen
wir als nächstes?
Eine Fahrt
durch die Fränkische Schweiz nach Grafenwöhr, dort auf Einladung der
US-Armee Kennen lernen der Ausbildungseinrichtungen und der weltweit
per Lufttransport verlegbaren Stryker Brigade in Vilseck sowie einen
Vortragsabend mit einem Referenten aus dem Verteidigungsattache´ -
Office der US-Botschaft in Berlin zum Thema: „60 Jahre NATO - das
Bündnis vor neuen Herausforderungen“.
Michael W.
Trost |