Nachschau - Veranstaltung am 11.06.2014

 

Dr. Karl-Heinz Frieser

Oberst a.D., Militärhistoriker

am Mittwoch, 11. Juni 2014, 19.30 Uhr

Hotel „Jägerhaus“, Wintergarten
Bronnzeller Str. 8, 36043 Fulda-Bronnzell

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Eigenbericht der Sektion Fulda

Militärhistoriker Dr. Karl-Heinz Frieser korrigierte landläufige Meinung der Historiker zum Ausgang der Panzerschlacht bei Kursk/ Vortrag bei der GfW-Sektion Fulda:

Fulda (mb). Für viele gilt „Die Schlacht bei Kursk“ 1943 als große Niederlage des deutschen Heeres und militärischer Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs. So habe die berühmte Panzerschlacht bei Prochorovka, der dramatische Höhepunkt der Schlacht von Kursk, der deutschen Panzerwaffe „das Rückgrat gebrochen“ - meint zumindest das Gros der Historiker. Ein völlig anderes Bild, was den Ausgang der Schlacht betrifft, zeichnete der Militärhistoriker, ehemalige Bundeswehroberst und Mitarbeiter am Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) in Freiburg im Breisgau und Potsdam Dr. Karl-Heinz Frieser bei einem Vortrag der Fuldaer Gesellschaft für Sicherheitspolitik im Bronnzeller Jägerhaus.

 Offensive abgebrochen

 Sie ging – jedenfalls für die südliche Angriffszange unter Generalfeldmarschall von Manstein - nicht verloren, wie landläufig angenommen wird und in Fachliteratur zu lesen ist, sondern wurde auf ausdrückliche Weisung Adolf Hitlers trotz faktischer Überlegenheit auf deutscher Seite abgebrochen. Der wichtigste Grund für das letztliche Scheitern der deutschen Offensive sei in der Landung der Alliierten auf Sizilien zu sehen, beschreibt Frieser die tatsächliche militärische Lage. Als er 1993 am 50. Jahrestag der Schlacht von Kursk in Russland einen Vortrag über seine These halten durfte, sei ihm vehement widersprochen worden. Inzwischen, so der renommierte Militärhistoriker, verfüge er „über genügend Beweise“ für deren Richtigkeit. Mit der Landung der Alliierten auf Sizilien war faktisch der Zweifrontenkrieg eingetreten, den „die Deutschen am meisten fürchteten.“ Hitler habe der Offensive  bei Kursk ohnehin von Anfang an kritisch gegenüber gestanden und zudem Italiens faschistischem Diktator Mussolini versprochen, zu helfen, wenn die Alliierten in Italien einmarschieren. Deshalb habe er die Offensive abgebrochen. Das „titanische Ringen“ stellte somit keine Entscheidungsschlacht des Krieges dar. Vielmehr habe das Scheitern des Blitzkriegs im Winter 1941 vor Moskau den Wendepunkt des Krieges bedeutet, korrigierte Frieser das bisherige Bild. Spätestens seit diesem Zeitpunkt hatte das deutsche Reich „keine Chance mehr, einen länger dauernden Krieg zu bestehen.“  

Gesetz der Masse

Das „Gesetz der Masse“, so urteilt der Militärhistoriker, habe nicht außer Kraft gesetzt werden können. Die Rote Armee habe während des Zweiten Weltkriegs 96.500 Panzer verloren.  Doch, wie ein deutscher Zeitzeuge formulierte, „so viele sowjetische Panzer wir abschossen, desto mehr kamen nach.“ Während 25.000 Kampfpanzer auf deutscher Seite produziert wurden, lag die Zahl bei den Alliierten bei 200.000. Mit Blick auf die Schlacht von Kursk erläuterte Frieser, der Roten Armee sei zwar ein großartiger strategischer Erfolg gelungen, indem sie frühzeitig die deutschen Angriffsabsichten aufklären konnten. Aber alleine in den Monaten Juli/August 1943 waren während der Schlacht von Kursk 6064 Panzer als Totalverlust auf russischer Seite gegenüber 760 deutschen zu verzeichnen. Der Roten Armee sei damit in der Sommeroffensive der Schwung genommen worden. Deutsche Kräfte unter Generalfeldmarschall Erich von Manstein hätten den angeschlagenen sowjetischen Truppen nachsetzen wollen, wären jedoch durch „Führer-Befehl“ daran gehindert worden. Von Manstein fühlte sich so durch Hitler um den Sieg gebracht, obwohl die Russen auf Anhöhe 252,2 bei Prochorovka ca. 270 Panzer gegenüber lediglich drei deutschen verloren hatten und somit geschlagen waren.

Der Referent (rechts) im angeregten Gedankenaustausch mit OTL a.D. Ulrich Bucher   Foto: Michael Schwab

Unzutreffend sei auch, dass das bei Kursk im Einsatz befindliche SS Panzerkorps vernichtet worden wäre. Stattdessen war es zum Ersatz nach Italien aus der Front gelöst worden. Als weiteren Grund für den militärischen Erfolg der Deutschen führte Frieser die unterschiedlichen operativen Befehlsstrukturen, die Auftragstaktik bis hinunter zu den Panzerkommandanten gegenüber der starren Befehlstaktik des russischen Gegners sowie die inzwischen deutlich verbesserte und damit überlegene Waffentechnik der Panzer am Beispiel des Panthers und Tigers sowie des kampfwertgesteigerten Panzers IV an. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit hätten die Deutschen nach Friesers Darstellung über größere Erfahrung im operativen und taktischen Einsatz der Panzerwaffe verfügt. Alle deutschen Panzer waren mit Funk ausgerüstet. „Das bewirkte, dass die Panzerwaffe von einem einheitlichen Willen gelenkt wurde.“ Bei den Russen verfügte nur das Fahrzeug des Kompaniechefs, also einer von zehn Panzern über ein Funkgerät. Bei den Russen habe der Kommandeur deshalb häufig mit „Wimpelchen“ geführt. Sowjetische Führungspanzer waren schließlich an der Tarnfarbe sowie der Funkantenne erkennbar und damit „leichte Beute“ für die deutschen Verbände. Überdies hätten die Russen keine Panzerdivisionen besessen. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Waffengattungen funktionierte nicht. Anders auf deutscher Seite, wo organische Verbände bestanden, die zu einem Gesamtverband integriert waren und das Gefecht der verbundenen Waffen führen konnten.

Panther bester Panzer

Deutlich überlegen sei die deutsche Technik gewesen. Der Panther gilt bis heute als „bester Panzer des Zweiten Weltkriegs und war äußerst schnell.“ Mit seiner 75 Millimeter Langrohr-Kanone habe er eine dem ebenfalls deutschen schweren Kampfpanzer Tiger deutlich überlegene Durchschlagskraft seiner Projektile gehabt. 200 Panther waren in Kursk eingesetzt, kamen direkt ab Werk an die Front. 45 seien aber bereits am Nachmittag und Abend der Ankunft aufgrund technischer Probleme ausgefallen.

Sektionsleiter Michael Trost überreicht dem Referenten als Dankeschön eine Rhöner Wegzehrung   Foto: Thomas Thys

„Manchmal waren nur 16 Panzer einsetzbar, richteten dennoch ein furchtbares Blutbad beim Gegner an“, schilderte Frieser die Lage. Der Panther habe sein russisches Gegenüber, den T 34, auf 2.000 Metern „frontal durchschlagen können“, war andererseits aber noch auf einen Meter Schussweite frontal unverwundbar. Die berühmte Panzerschlacht bei Prochorovka, so das Fazit des Militärhistorikers, sei deshalb „nicht der Triumph, sondern das flammende Inferno der sowjetischen Panzerwaffe gewesen.“ Russische Historiker befänden sich durch diese Fakten heute im Zwiespalt zwischen historischer Wahrheit und Ehre.

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