Nachschau - Veranstaltung am 04.09.2014

 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Referent:

Professor Dr. Henner Fürtig

German Institute of Global and Area Studies (GIGA), Hamburg

am Donnerstag, 04. September 2014, 19.30 Uhr

Hotel „Jägerhaus“, Wintergarten
Bronnzeller Str. 8, 36043 Fulda-Bronnzell

*****

Pressebericht

vom 20.09.2014

Henner Fürtig referierte über Lage in Nahost

FULDA. Mit der Terrororganisation ISIS und der Lage im Irak und Syrien befasste sich Nahostexperte Dr. Henner Fürtig in einem Vortrag bei der Fuldaer Sektion der Gesellschaft für Wehr- und Sicher-heitspolitik.

Besorgt schaut die Welt auf die Entwicklung in Teilen des Iraks und Syriens, wo die radikal islamischen Kämpfer der so genannten ISIS die Bevölkerung terrorisieren, barbarische Morde begehen und die ganze Region zu destabilisieren drohen. Die Sorge konnte Fürtig, Direktor des Hamburger GIGA Instituts für Nahoststudien, nicht nehmen. In seinem Vortrag „Ein neues Kalifat: Wie gefährlich ist die ISIS?" ließ er jedoch Zweifel anklingen, dass das von der ISIS beherrschte Gebiet, etwa so groß wie Großbritannien, Bestand haben werde.

Das brutale Vorgehen der ISIS erschrecke viele sunnitische Muslime. Das proklamierte Kalifat beinhalte einen politischen und religiösen Alleinvertretungsanspruch, den weder die bestehenden muslimischen Staaten noch die meisten sunnitischen religiösen Autoritäten akzeptierten. ISIS-Anführer Al-Bagdadi werde von islamischen Autoritäten ausgelacht in seinem Versuch, als Nachfolger des Propheten anerkannt zu werden.

Während seines Vortrags Henner Fürtig wurde Fürtig noch deutlicher: „Ich habe Zweifel, dass die verblendeten ISIS Führer sich im Alltag behaupten werden." Vielmehr glaubt der Nahostexperte, dass sich die ISIS-Anhänger in der Verwaltung und im Aufbau von Strukturen verschleißen werden.

Um die aktuelle Entwicklung besser verstehen zu können, blickte Fürtig auf das Jahr 2003 zurück, als die Amerikaner in den Irak einmarschiert waren. Als die „harten Kriegsgründe" nicht mehr zogen, galt als neuer Kriegsgrund die „Befreiungsmission". Der Irak sollte nach amerikanischen Vorstellungen die erste arabische Demokratie werden mit Strahlkraft auf die gesamte arabische Welt. Nach dem Sturz Saddam Husseins wollte die US-Regierung die Macht an heimische irakische Politiker übergeben. Doch die hatten laut Fürtig „keinen Rückhalt in der Bevölkerung." Folge: Das Alltagsleben im Irak brach zusammen. Die Amerikaner mussten schließlich die Direktverwaltung übernehmen. Diese Situation sei von den Irakern als neue „Fremdherrschaft" empfunden worden. Zudem wechselten die bisherigen Machtstrukturen von der sunnitischen Minderheit auf die schiitische Mehrheit. Verloren ging nach Fürtigs Meinung dabei die Chance einer bürgerlich liberalen Gesellschaftsstruktur. Damit war der Grundkonflikt in einer gesellschaftlichen Spaltung angelegt, die Saat für die ISIS gesät. Zwischen 2003 bis 2006 drohte im Irak der Staatszerfall. Das sei die „Stunde der Demagogen" gewesen.

Zwei radikale islamische Gruppierungen, die AI Nusra Front (Ableger von AI Qaida) sowie der Islamische Staat (hervorgegangen aus der AI Qaida im Zweistromland) prägen die Ausgangssituation im Irak. Für die dominierende ISIS sei nun nicht mehr der Westen der Hauptgegner, vielmehr die eigenen Regierungen. Das Kalifat ist laut Fürtig der Ausdruck, die islamische Gesellschaftsordnung in der Region zu errichten, um sich dann gegen den Westen zu wenden. Die Frage des Bedrohungspotenzial für Europa musste Fürtig offen lassen. Ihm fehlten „verlässliche Grundlagen".

 

Oben                                                                                                                                                                    Zurück

Unsere Partner: