Nachschau - Veranstaltung vom 11.09.2014

 
 

 

mit dem Thema

Referent:

Kersten Lahl

Generalleutnant a.D.

ehem. Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS)

GfW-Vizepräsident

 

am Donnerstag, 11. September 2014, 19.30 Uhr

im Kulturzentrum Buseck
Am Schlosspark, 35418 Buseck, Großen-Buseck

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Pressebericht

 vom 13.09.2014

»Mythen deutscher Sicherheitspolitik«: Generalleutnant a. D. Kersten Lahl referierte in Buseck

B u s e c k (vh). Krisen wohin man schaut. In Deutschland dagegen herrsche bei allem Jammern ein »goldenes Zeitalter«. Frieden und Freiheit seien aber kein Naturgesetz, sagte Generalleutnant a. D. Kersten Lahl am Donnerstagabend im Kulturzentrum Buseck. Die Gesellschaft für Sicherheitspolitik hatte zu ihrem 24. Busecker Forum für Sicherheitspolitik eingeladen. Der Referent, ehemals Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und aktuell Vizepräsident der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, referierte zum Thema »Zu den Mythen deutscher Sicherheitspolitik im Lichte der aktuellen Krise«.

Vom Mitveranstalter, der Gemeinde Buseck, war Bürgermeister Erhard Reinl anwesend. Es begrüßte der Sektionsleiter Gießen der Gesellschaft, Oberstleutnant d. R. Hans-Peter Hess. Lahl hatte natürlich keine fertigen Lösungen, sondern wollte vielmehr zum Nachdenken anregen. Deutschland und Europa bescheinigte Lahl eine »erschreckende Strategiearmut überall«.

Vor 13 Jahren der Anschlag auf das World Trade Center in New York, vor 75 Jahren der Beginn des Zweiten Weltkriegs und vor 100 Jahren der Beginn des Ersten Weltkriegs: Zeitenwenden zum Schlechten hin. Dagegen sei der Mauerfall vor 25 Jahren »ein grandioses positives Beispiel sicherheitspolitischer Zeitenwende«, so Lahl. Die momentane Situation verlange mehr als das normale Krisenmanagement. Gut möglich, dass das Jahr 2014 mit dem Status einer neuen Zeitenwende in die Geschichte eingehe. Krisen oder Unsicherheiten fast überall. Aber: Die Krisen würden in den Medien überzeichnet dargestellt. Dass die Stabilität von Staaten und -Bündnissen gefährdet sein könne, habe jedoch Bundespräsident Gauck anlässlich seiner Rede auf der Westerplatte in Polen zum Jahrestag des deutschen Überfalls geäußert. Auch der kürzliche NATO-Gipfel in Cardiff habe die Situation demgemäß beurteilt. Lahl warnte vor Aktionismus, dem Drängenlassen in die Defensive. Einer allein könne die vielen Krisen nicht beherrschen.

»Verteidigen und Abschrecken«

Es gelte sich zu vernetzen, umfassend zu denken, strategische Konzepte weit über die Tagespolitik zu finden. Die von Präsident Obama jetzt geforderte Kernkoalition gegen die militante Form des Islamismus sei ein Weg, den Russland und China besser mitgingen. Eine Doppelstrategie aus Verteidigen und Abschrecken, bekannt aus dem Kalten Krieg, müsse neu erfunden werden. Denn sie sollte etwa Russland nicht provozieren. Vier große Trends erläuterte Lahl als Konfliktursachen. Das wachsende Phänomen des Staatsverfalls vor allem in den arabischen Ländern Nordafrikas und des Orients, ursächlich zurückzuführen auf den mangelnden Willen der Politik, den Reichtum (durch Bodenschätze) gerecht zu verteilen. Des Weiteren die weltweite Migrationswelle. In Syrien allein sei die Hälfte der Bevölkerung auf der Flucht. Der technische Wandel: Nukleares und biotechnisches Wissen verbreite sich. Kriegsführung verlaufe teils automatisiert. Es böten sich neue Felder für Rüstungswettläufe. Und viertens die weltweite Finanzkrise und Staatsverschuldung, manipulierte Geldströme, Macht ohne Transparenz und Legitimation. Die gemäßigten Kräfte und deren Einfluss schwänden, die Regionalstaaten seien zu schwach um Lösungen zu finden. Saudi-Arabien und Iran beanspruchten jeweils die Vorherrschaft, Israel und Palästina hätten ihren Konflikt nur vertagt, nach Georgien und der Krim sei Russland jetzt in der Süd- und Ostukraine tätig. Das Vertrauen in Russland schwinde, die vertraute Hilfe der USA für Europa sei nicht mehr zuverlässig. Lahl mahnte langfristige Vorsorge an, bevor die Situation den Politikern entgleite. Außerdem: Die deutsche Kultur der Zurückhaltung tauschen gegen mehr Mitverantwortung in der NATO, ein offeneres Bekenntnis zu sicherheitspolitischen Interessen, vernetzte Sicherheitspolitik und eine gemeinsame europäische Strategie. 

 

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